Spiritualität - Was ist das eigentlich?

Sprechen wir hier alle von dem selben? Und ist eine Definition hier überhaupt möglich? 

In der Regel wird Spirtiualität mit etwas Transzendenten - etwas Feinstofflichen in Verbindung gebracht. Einem spirituellen Weg folgen bedeutet einen tiefen Umwandlungsprozess der gesamten bisherigen Persönlichkeit - eine vollständige Transformation des Egos.

So beschreiben es die verschiedenen, spirituellen Traditionen - von den indisichen Yoga-Traditionen, dem Buddhismus, dem Sophismus über die jüdische Kabbala, der christlichen Mystik bis hin zu den schamanischen Wegen.

 

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich auf solch einen Weg begeben.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Begeben wir uns auf die Suche und stellen die großen Fragen, wie "Wer bin ich?", "Woher komme ich", "Was ist meine Aufgabe" ... - kommen viele Spirituell-Suchende früher oder später auch mit Praktiken und Lehren in Berührung, die zu extremen Erfahrungen führen können.

 

Auf diese ungewöhnlichen Erlebnisse sind, insbesondere wir hier im Westen, nicht vorbereitet und geraten durch diese verstörenden Ereignisse oft in spirituelle Krisen. Deshalb legt man in den asiatischen Religionen so großen Wert auf einen Guru, Lehrer oder Meister, der einem durch diesen Prozess, den man auch “die dunkle Nacht der Seele” nennt, helfen kann.

Spirituelle Krisen

Doch was ist eigentlich eine spirituelle Krise und wie unterscheidet sie sich von einer "normalen" Krise?

Eine spirituelle Krise kann man ebenfalls als seelische Krise verstehen, doch im Gegensatz zu einer “normalen” Krise verändert sich danach der Mensch in radikaler Weise.

 

In einer Sinn-Krise kommt der Suchende in Berührung mit spirituellen Dimensionen, die er bisher nur erahnt hat. Dadurch kann sich mit einem Schlag seine bisherige Weltsicht ändern, was sehr beängstigend und verwirrend sein kann. Die eigene Identität loszulassen, das Ego für das große Selbst aufzugeben ... - dies fordern viele Traditionen, was häufig zu schmerzhaften Prozessen führt.

 

Spirituelle Krisen müssen jedoch nicht immer dramatisch verlaufen, sie können auch sehr sanft auftreten in einer allmählichen Veränderung der Lebensanschauung und Gottesvorstellung. Doch es ist ebenso gut möglich, dass sie sich in seltsamen Erfahrungen äußern, die wir mit unseren Verstand nicht einordnen können.

Dazu sagt Stanislav Grof:

“…Um das Problem der spirituellen Krise zu verstehen, muss man es in dem größeren Zusammenhang der spirituellen Entwicklung sehen, als Komplikation eines evolutionären Prozesses, der zu einer reiferen und erfüllenderen Lebensweise führt. Die mystischen Lehren aller Zeiten kreisen um die Vorstellung, dass das ausschließliche Streben nach materiellen Zielen und Werten keineswegs das volle Potential des Menschen zum Ausdruck bringt. Aus dieser Sichtweise ist die Menschheit ein integraler Bestandteil der kreativen kosmischen Energie und Intelligenz und, in gewissem Sinne, mit ihr identisch und ihr angemessen. Das Entdecken der eigenen göttlichen Natur kann sowohl auf der individuellen wie auf der kollektiven Skala zu einer Lebensweise führen, die dem, was gewöhnlich als die Norm betrachtet wird, geradezu unvergleichlich überlegen ist.”

Phänomene auf dem spirituellen Weg

Spirituelle Erfahrungen treffen in uns auf eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur - auf unsere Prägungen. Und durch die Brille unserer Persönlichkeitsstruktur interpretieren wir wiederum die spirituellen Erfahrungen. Wenn wir beispielsweise ein sehr zweifelnder Mensch sind, könnte es passieren, dass wir eine tiefe spirituelle Erfahrung einfach als Einbildung abtun.

 

Spirituelle Erfahrungen lassen sich folgendermaßen unterteilen: 

  • in subtile Erfahrungen: damit sind energetische Empfindungen und außersinnliche Wahrnehmungen gemeint, und
  • in transpersonale Erfahrungen, wie Frieden, Liebe, Verbundenheit, Erfahrungen der Schöpferkraft oder des Urgrundes.

Durch eine spirituelle Praxis können energetische Empfindungen, wie beispielsweise ein inneres Strömen, ein Pulsieren, die Erfahrung von einem Energiefeld, einem Licht oder das Empfinden von Hitze oder einem Stechen, auftreten. Diese Empfindungen lassen sich aus naturwissenschaflicher Sicht nicht erklären und entsprechen auch nicht den psychosomatischen Symptomen. Diese Phänomene können zum einen als sehr angenehm und ekstatisch oder zum anderen auch als unangenehm und lästig empfunden werden.

 

Die Herausforderung hierbei ist, die energetischen Empfindungen als solche zu erkennen, sie angemessen zu interpretieren - sie also weder für die Erleuchtung zu halten, wenn es sich bspw. um eine Lichterfahrung handelt, noch sie zu bekämpfen, wenn sie unangenehm sind. Gleichzeitig sind wir gefordert, sie steuern zu lernen, d.h. mich ihnen bewusst zu- und abwenden zu können. Gelingt diese Integration nicht, können - abhängig vom jeweiligen Ich-Strukturniveau - krisenhafte Symptome auftreten, wie z.B. das sogenannte "Kundalini-Syndrom".

Außersinnliche Wahrnehmungen

Außersinnlichen Wahrnehmungen beziehen sich auf Wahrnehmungen außerhalb des Individuums. Folgende Phänomene werden darunter verstanden: 

  • Synchronizitäten: eine scheinbar zufällige Gleichzeitigkeit von zwei unabhängigen Ereignissen mit ähnlicher Qualität
  • Déja-vu-Erlebnisse: der Eindruck, diese Situation schon einmal erlebt zu haben.
  • Präkognition: ein intuitiver Eindruck über ein Ereignis, das noch in der Zukunft liegt.
  • Hellsichtigkeit: ein intuitiver Eindruck über ein Ereignis, das an einem anderen Ort stattfindet.
  • Telepathie: Austausch von Gedanken mit einer anderen Person über eine größere Entfernung.
  • Psychokinese: die Beeinflussung von Materie durch geistige Kraft (z.B. Löffel verbiegen)
  • Kontakt, Beeinflussung oder Besetzung durch fremdanmutende Kräfte oder Wesenheiten, welches als bereichernd oder als bedrohlich erlebt werden kann.
  • Spuk-Phänomene, die auf eine Aktivität bereits Verstorbener zurückgeführt wird.

In der indischen Tradition werden diese Phänomene teilweise als sogenannte "Siddhis" benannt. Manchmal werden sie als Anzeichen einer spirituellen Fortentwicklung missverstanden. Doch sie sind lediglich Begleiterscheinungen auf dem spirituellen Weg.

 

Die Herausforderung bei den außersinnlichen Wahrnehmungen ist, diese nicht mit persönlichen Wünschen zu vermischen, sie bewusst steuern zu können und schließlich ihnen einen stimmigen, nicht überhöhten Platz im eigenen Leben zu geben. Gelingt die Integration nicht, kann es wiederum zu Krisen kommen, wie beispielsweise bei einer "Vermischung". Hier vermischen sich außersinnliche Wahrnehmungen mit den eigenen unbewussten Wünschen und es besteht die Gefahr der Manipulation. 

Erdung - Wirklich hier sein

In der Tradition der Sufis wird gelehrt, dass der Weg nach "Oben" immer erst nach "Unten" führt. Für mich bedeutet das, dass ich mich erst richtig dem Himmel öffnen kann, wenn ich gut verwurzelt bin und eine bewusste Verbindung zur Erde herstelle.

Im allgemeinen ist "Erdung" eine Visualsierungs-Technik, bei der man ein Verbindungs-Symbol - wie etwa eine Baumwurzel oder einen Lichtstrahl - verwendet, der von der Basis der Wirbelsäule in den Kern der Erde hinabreicht. Durch die Erdung erlangt man ein gewisses Maß an energetischem Schutz, der insbesondere für Sensitive bei der Einstimmung auf neue Wahrnehmungen sehr wichtig ist.

 

Gut geerdete Menschen erkennt man leicht an Ihrer Präsenz und Bodenständigkeit. Und wenn du dich aus einer geerdeten Perspektive durch dein Leben bewegst, wirst du auch einen Unterschied darin feststellen, wie andere Menschen dir begegnen.

Sylvia Römer

Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG), 

Dipl.-Betriebswirtin (FH)

Digitales Buch, Sylvia Römer

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